Die rhetorische Frage wird seit Jahren von der Deutschen Herzstiftung gerne so gestellt. Nahezu jeder kennt jemanden, der ohne Vorwarnsymptome – sog. Prodromi – plötzlich umfällt und tot ist. Dieses tragische Ereignis wird »plötzlicher Herztod« genannt und hat so gut wie immer einen Herzinfarkt zur Grundlage. Die hier gestellte Frage ist damit zu bejahen und die Kolumne damit erledigt.

Aber nein, …, denn nur das, was man weiß, macht einen auch »heiß«; d.h. bringt einen zu potentiellen präventiven Erkenntnissen, die angetan sind, sein Leben in Qualität und Quantität zu optimieren. Schließlich soll es uns nicht so gehen wie Jim Fixx, ein ambitionierter Marathonläufer der 60er Jahre, der damals auch den Stadtmarathon entwickelt hatte und der mit 56 Jahren während des Marathons tot umfiel. Ironischerweise waren seine Herzkranzarterien voller Cholesterineinlagerungen, sogenannten Plaques.

Das Dilemma wird weiter deutlich, wenn wir das sog. epidemiologische Rose-Paradox anschauen (1). Es ist nämlich zwar gut nachvollziehbar, dass die Rate eines plötzlichen Herztodes mit dem Schweregrad einer Herzkrankheit korreliert, aber wenn die absolute Rate des plötzlichen Herztodes betrachtet wird, so »qualifiziert« sich die große Anzahl an Menschen nicht durch eine vorausgegangene Herzkrankheit. Nein, es ist die »unauffällige« Gesamtbevölkerung, die es plötzlich treffen kann. In präventivmedizinischer Hinsicht kann es nicht mehr darum gehen, dass nur symptomatische Menschen die ärztliche Aufmerksamkeit erhalten.

Seit ca. 20 Jahren ist der pathophysiologische, also seitens der Krankheitslehre erklärbare Hintergrund der sog. Atherosklerose, diese Gefäßwandverdickung und -verkalkung, gut geklärt. Es ist nämlich eine stille, unterschwellige Entzündung (»silent inflammation«) des Körpers (2), die durch Übergewicht, fehlende Bewegung, Rauchen, aber auch traditionelle Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus und insbesondere Fettstoffwechselstörungen mit erhöhtem LDL (»bösem«) Cholesterin induziert wird. Es entstehen sog. atherosklerotische Plaques, die zuerst gar nicht den Blutstrom blockieren, da sie noch flach sind.

Die Menschen – wir sprechen gar nicht von Patienten – werden damit auch nicht symptomatisch und sind oft kaum in üblichen medizinischen Untersuchungen außer bei bildgebenden Verfahren wie CT erkennbar (3). Und plötzlich – eben wie aus heiterem Himmel – kann es z.B. durch akuten Stress oder eine Blutdruckkrise zum Einriss, einer Ruptur, kommen. Diese wirkt sich auf das Gerinnungssystem wie eine akute, äußere Verletzung aus. Nur bei letzterer ist die Gerinnselbildung gut, da sich die Wunde verschließt und verheilt; im Gefäß drinnen ist sie schlecht, denn das Gerinnsel verschließt das Gefäß. Wenn dies in einer Herzkranzarterie passiert, wird der Herzmuskel akut nicht mehr mit Blut versorgt und es ist ganz plötzlich ein Herzinfarkt eingetreten (4).

Die Konsequenz dieser Erkenntnisse kann nur sein, dass man nicht auf die Symptomatik wartet, die nicht selten initial tödlich ist. Es sollten die sog. kardiovaskulären Risikofaktoren allesamt erkannt werden. Diese können in einem sog. Score (5) in ihren prognostischen Bedeutungen verrechnet werden und es entsteht ein prozentuales Gesamtrisiko eines zu erwartenden Herzinfarktes. Weiterhin können erste Veränderungen mit modernen diagnostischen Methoden wie moderner Bildgebung erkannt werden. Aus diesen Erkenntnissen erwächst dann eine personalisierte Beratung zum Lebensstil, teilweise auch schon Medikamenten oder Supplementierungen, die in belegter Weise die Prognose sehr gut verbessern können (5).

In diesem Sinn: Bleiben Sie gesund und vital!

Literatur

  1. Huikuri HV, Castellanos A, Myerburg RJ. Sudden death due to cardiac arrhythmias. N Engl J Med 2001; 345:1473-82
  2. Libby P, Ridker P, Maseri A. Inflammation and atherosclerosis. Circulation 2002; 105:1135-43
  3. Nixdorff U, Achenbach S, Bengel F, et al. Imaging in cardiovascular prevention. The ESC Textbook of Preventive Cardiology. Oxford Press 2016; pp 54-76
  4. Naghavi M, Libby P, Falk E, et al. From vulnerable plaque to vulnerable patient: a call for new definitions and risk assessment strategies: Part I. Circulation 2003; 108:1664-72
  5. Visseren FLJ, Mach F, Smulders YM, et al. 2021 ESC Guidelines on cardiovascular disease prevention in clinical practice. Eur Heart J 2021; 42:3237-337