Nach einer aktuellen Umfrage von Swisslife Deutschland leiden 80% der Deutschen unter Stress; 31% mehr als in den Vorjahren.
Stress wurde bereits 1936 von Hans Selye als Anpassungsproblem beschrieben, auch als fehlende Entspannungsphasen. H. Bradley sprach 1969 von überwältigender Erschöpfung (»overwhelming exhaustion«), die auf nicht ausreichende emotionale und physische Ressourcen zurückgeführt werden muss. Es kommt zu Zynismus, Frustration und Distanziertheit (detachement) gegenüber sich selbst bis hin zum Burnout (mittlerweile auch im ICD/ International Classification of Disease anerkannt) mit Zeichen einer Depression.
Seit ca. 10 Jahren besteht neben psychologischer Hilfestellung die Möglichkeit der Stressmedizin mit hoher Erfolgsträchtigkeit. Die sog. Psychoneuroimmunologie zeigt, wie Stress – aktuell zu Pandemiezeiten – das Immunsystem beeinträchtigt. Hierüber werden schließlich sogar Folgen wie etliche Krebserkrankungen, neurodegenerative als auch Herzerkrankungen erklärbar.
Nach aktuellen großen Studien ist davon auszugehen, dass beruflicher Stress zu einer 25 %igen Erhöhung der Herzinfarktrate führt.
Bekannt ist, wie Stress im Nervensystem übermittelt wird. Im Zentrum steht das Großhirn, von dort gelangen die Stressinformationen via sympathisches Nervensystem im Rückenmark oder hormonelle Botenstoffe des Hypothalamus zur Nebennierenrinde, wo Adrenalin und Noradrenalin ausgeschüttet werden.
Chronischer Stress führt zu Erschöpfung, Burnout, Depression und auch Herzinfarkt.
Auf das Gehirn wirken Umweltfaktoren aus Arbeit und Familie ein, aber auch moderierende Faktoren wie Persönlichkeit, soziale Unterstützung und Fitness. Es resultieren kognitive und affektive Reaktionen (z.B. Konzentrationsprobleme und Gereiztheit, wie dies jeder aus dem eigenen Leben kennt). Diese führen zu physiologischen Reaktionen mit Blutdruck- und Pulserhöhungen als auch Entzündungen. Einwirkend sind Verhaltensweisen, zu denen der Gestresste neigt, wie etwa schlechte Ernährung, unzureichende Bewegung und Zigarettenkonsum. Folgen sind dann in längerer Hinsicht Durchblutungsstörungen bis hin zum bereits oben erwähnten Herzinfarkt.
Auseinanderhalten muss man akuten von chronischem Stress, wie es McEwen bereits 1998 beschrieben hat. Akuter Stress (Eustress) im Sinne einer Adaptation (Allostase) ist günstig und häufig bei Herausforderungen wie Kampf oder Flucht lebensrettend. Das krankmachende Problem heute ist chronischer Stress (Dysstress) mit einer Maladaption (»allostatic load«), die keine ausreichenden Erholungsphasen mehr zulässt. So kommt es eben auch zum Ausbrennen beim Burnout; übrigens meist bei Menschen, die auch einmal »gebrannt« hatten.
Stressmedizinische Diagnostik setzt mehrere Aspekte voraus; einmal ausführliche Fragebögen (Questionnaires), dann eine aus der Kardiologie stammende Methode, i.e. die Herzratenvariabilität (HRV), die das vegetative, unwillkürliche Nervensystem analysiert, das immer bei Stress beeinträchtigt ist. Weiterhin erfolgen Laboranalysen von Stresshormonen, hier besonders wichtig auch ein Cortisol-Tagesprofil. So multimodal solche Diagnostik ist, so multimodal ist die Therapie. Bewährt hat sich das sogenannte VARESE-Konzept, nach dessen Komponenten vorgegangen wird: Verhalten, Achtsamkeit, Relaxation, Ernährung, Sport und Ergänzungstherapie. Im Einzelnen sind dann auch weitere Behandlungspartner gefragt, wie etwa Coaches und Psychotherapeuten, Ökotrophologen, Personal Trainer und im Endstadium eines Burnouts auch die psychosomatische Klinik. Präventiv lassen sich aber bei rechtzeitiger Beratung und Lebensstilgestaltung die krankmachenden Folgen begrenzen oder vermeiden.
Bleiben Sie gesund und vital!